DIE KURZE GESCHICHTE VON CSÁTALJA
Unsere Gemeinde befindet sich im Komitat Bács-Kiskun,
20 km südlich von Baja. Die Gegend war bereits im Mittelalter bewohnt.
Wahrscheinlich in der inmittelbaren Nähe des heutigen Dorfgeländes
lagen die Dörfer Alsótárnok und Tóti, die villeicht
als Vorláufergemeinden von Csátalja zu betrachten sind. Der erstgenannte
Dorfname wurde bereits 1289 als Schenkung in einer Urkunde erwáhnt. In
mehreren Urkunden aus dem 16. Jahrhundert trifft man auf den Dorfnamen Tárnok;
es ist allerdings möglich, daß dieser sich auf die ebenfalls nah
liegende Gemeinde Tárnokmonostor bezog.
Der Name Csátalja wird zum ersten Mal im Jahre 1543 im Zehntverzeichnis
des Burgkomitats Bács-Bodrog erwáhnt. Der Dorfname wurde damals
„Csatallya” geschrieben. Dieses Datum fállt zwar auf die
Zeit der 150-jáhrigen Türkenherrschaft is Ungarn , der Ortsname
ist jedoch im Zehntverzeichnis der Erzdiözese von Kalocsa zu finden. Der
Name des Dorfes stammt aus dem Serbischen: das Wort „catalija” bedeutet
Straßenkreuzung. Die völkische Tradition leitet zwar oft den Namen
aus der Form „Csatälja” (Unteres Schlachtfeld) ab, eine solche
Vermutung hat jedoch keinen Wahrheitskern. Wáhrend der Türkenherrschaft
– áhnlich den benachbarten Dörfern der Gegend – wurde
das Dorf entvölkert. In den Jahren 1686/87 feierten die kaiserlichen Truppen
große Siege über die Möglichkeit, die Batschka zu befreifen.
DieAufzeichnungen berichten davon, dass als die Siegertruppen bei Baja die Donau
überquerten, erblickten sie unheimliche Verwüstung. Auf dem ganzen
Weg wurde kein lebendiger Baum gefunden. Das Gras und das Dickicht war inzwischen
so hoch angewachsen, dass es der Kavallerie befohlen werden musste, um für
die Fußtruppen einen Weg zu brechen. Die Flutgebiete verwandelten sich
in stehende Gewásser, bodenlose Sümpfe. Auf den sandigen Gebieten
wurde der Boden lediglich durch Gebüsch gebunden, woanders konnte nur der
Wind bauen oder zerstören.
Im Jahre 169 – als das Burgkomitat wiederorganisiert wurde – wurden
von der Wiener Hofkammer in unserer Gemeinde 7 Bauernfamilien registriert. Durch
den 1703 beginnenden Rákóczi-Freiheitskampf wurde der Zuwachs
der Bevölkerung wieder nicht begünstigt. Die ins Komitat ziehende
Serben sympathisierten eher mit den Habsburgern, so dass sie des öfteren
die auf dem Donau-Theiß-Zwishenstormland stationierten Kurutzentruppen
angriffen. Aus diesem Grund vertrieb der General der „Kurutzen”,
János Bottyán 1705 – vor dem Beginn seines Feldzugs um Transdannubien
– die Mehrheit der verfeindeten Bevölkerung aus dem Komitat.
Nach der Beendigung der Kampfhandlungen (1711) begann eine innere Wanderung
aus dem dichter bewohnten Oberungarn und Transdanubien auf unsere Gegend. Diese
spontane Ansidlung konnte dasGebiet allerdings nicht wieder neu besiedeln und
die verwilderten Territorien bewirtschaften.
Im 18. Jahrhundert begann eineorganisierte Ansiedelung der Batschka, die von
der königlichen Hofkammer geleitet wurde. Auf das Gebiet unserer Gemeinde
kamen Kolonisten in drei Ansiedlungswellen; es handelt sich um katolische deutsche
Siedler aus Baden, Würtemberg, Pfalz, Elsass und Lothringen. Die erste
Etappe der Kolonisierung erfolgte zwischen 1729-48, die entscheidende zw. 1752-63.
Etwas geringer war die Anzahl der Siedler in der dritten, abschließenden
Phase (1780-84). Ein Teil der deutschen Kolonisten kam aus den bereits früher
angesiedelten deutschen Gemeinden der Gegend (z.B. aus Nemesnádudvar/Nadwar),
die überviegende Mehrheit bildeten jedoch junge Ehepäre aus dem Reich,
die an ihren früheren Wohnorten ihre persönliche Freiheit bereits
ablösten. Erst danach unternahmen sie die lange Reise in ein unbekanntes
Land, das sie durch eine lange Donauschiff-fahrt auf den sog. „Ulmer Schachteln”
erreichten. Die Ansiedlungskommissaren erwarteten die Ankömmlinge in Baja
und in Apatin und von hier wurden sie in die verscheidenen Dörfer der Batschka
verwiesen. Die neuen Siedler erhielten hier Ackerfeld, Hausgrund und durch harte,
fleißige Arbeit von zwei-drei Generationen konnten sie in der gewählten
Heimat ein neues Zuhause finden. Als ein berühmter Organisator der Ansiedlungen,
der Hofkammerrat Anton Cothmann 1763 die Gemeinde besuchte, berichtete davon,
dass die Gemarkung einen nicht besonders fruchtbaren Boden habe, aber sie immerhin
gut versorgt und bewirtschaftet sei.
Seit 1735 existiert in der Gemeinde eine selbstständige Pfarrei und bald
(1744) wurde die erste Kirche erbaut.
Das Pfarramt setzte ab 1748 einen Lehrer ein, der gleichzeitig als Kantor und
Notar fungieren sollte. Durch die Kolonisation wurde das Dorf mit deutschsprachigen
Bewohnern besiedelt, so dass sich bald die ohnehin kleine ungarische Bevölkerunkg
asimilierte und sich den hiesigen deutschen Dialekt aneignete. Auch die Unterrichtssprache
wurde das Deutsche, erst im 19. Jahrhundert wurde in der Schule der zweisprachige
Unterricht eingeführt.
Die hiesige Bevölkerung beschäftigte sich mit Ackerbau und Viehzucht,
aber auf der sandigen Gemarkung erschienen bald riesige Weingüter. Der
Csátaljae-Trauben erhielt am Ende des 19. Jahrhunderts einen hohen Wert,
als die Weinberge Ungarns durch die Reblaus größtenteils zugrunde
gingen.
Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts stieg Csátalja zu den wohlhabendsten
Ortschaften der Region auf. Nach der Volkszählung von 1910 lebten im Dorfe
2420 deutsche und ungarische Bewohner – im friedlichen Verhältnis
mit der Gegend. Da die Gemarkung der Gemeinde begrenzt war, kauften sich Viele
fruchtbare Ackerböden auf der Mohácser Insel.
Eine tiefgreifende Ver änderung im Leben des Dorfes brachte erst »die
moderne Völkerwanderung«nach dem Zweiten Weltkrieg. Die alliierten
Siegermächte brandmarkten das Ost-Mitteleuropäische Deutschtum mit
der »Kollektivschuld« und dies bedeutete Verteibung und Zwangsaussiedlung-
unabhängig von der Tätigkeit der Bevölkerung während des
Krieges. So musste 1946-47 auch der Grossteil der Csátaljaer Deutschen
sein Heimetdorfin drei Aussiedlungstransporten verlassen.
Etwa 2200 Personen wurden gezwungen, ihr geliebtes Heimatdorf zu verlassen.
Sie kamen größtenteils in Westdeutschland an. Viele von ihnen konnten
die alte Heimat nie vergessen, und – auch wenn sie später unter besseren
Bedingungen leben können – kehren regelmäßig zurück,
unterstützen den alten Wohnort. Bereits 1946 fanden 180 Széklerfamilien
aus der Bukowina in Csátalja ein neues Zuhause (anfangs mussten sie oft
mit den zur Aussiedlung verurteilten alten Hausbesitzern zusammen wohnen). Die
Székler stammten aus dem Dorfe Istensegíts, woher sie 1941 in
die von Ungarn zurückgewonnene südliche Batschka (um Topolya und Csantavér)
umgesiedelt wurden. Als dieses Gebiet 1945 wieder an Jugoslawien fiel, mussten
sie nach Ungarn flüchten. Etwas später kamen Siedler aus dem ehemaligen
Oberungarn in die Gemeinde, die von der Tschechoslowakei aus ihrer Heimat vertrieben
wurden. Ebenfalls Mehrere aus der Gegend jenseits der Theiß siedelten
nach Csátalja über, um hier Haus und Gut zu erhalten, wie auch Einige
aus der Südbatschka unser Dorf zum neuen Wohnort wählten.
Diese Veränderungen und der Bevölkerungswechsel brachten große
Spannungen mit sich, zwischen den alten und neuen Dorfbewohnern herrschte anfangs
großes Misstrauen. Dies ergab sich aus den unterschiedlichen wirtschaftlichen
und kulturellen Sitten, es kam oft zu Streitigkeiten aus wierklichen oder vermeitlichen
Gründen. Die Versöhnung begann unter den Jugendlichen, die zusammen
die Schule besuchten, sich befreundeten, gemeinsam spielten. Die echte Versöhnung
erfolgte erst, als die ersten »Mischehen« geschlossen wurden. Heute
wird das Zusammenleben von der Toleranz gekennzeichnet, die eher die Tugenden
der einzelnenVolksgruppen vor Augen hält und statt Uneinigkeit das Zusammengehörigkeitsgefühl
betont.
Dies zeigt, dass immer mehr ausländische Kontakte gefestigt werden, darunter
mit Ortschaften in Deutschland (Schwabmünchen), in der Slowakei (Alsószeli/Dolne
Saliby) und in Siebenbürgen/Rumänien (Csernakeresztúr/ Cristur,
Dicsoszentmárton/ Tarnaveni).